Presse Léon
Landeszeitung Lüneburg - Online
off Adendorf. Ein Flugzeug bringt die Hoffnung. Anfang September landet in Hamburg ein Flieger aus Michigan/USA, an Bord ein unscheinbarer Karton von unvorstellbarem Wert. Es ist der Tag, an dem der leukämiekranke Léon aus Hohnstorf neue Stammzellen erhält. Der Tag, auf den Familie und Freunde seit Monaten gewartet haben. Seit jenem Donnerstag, an dem die Zellen des amerikanischen Spenders in Léons Blutbahnen flossen, gibt es wieder Hoffnung. Und auch wenn Léon noch immer nicht über den Berg ist, hat sich sein Vater Alexander Bührke entschieden, erstmals auch vor der Presse über Léon zu sprechen. Er will Danke sagen. Dem Adolph-Holm-Kindergarten Adendorf, der ihm an diesem Tag 640 Euro überreicht. Und allen, die für Léon gesammelt, gespendet und gehofft haben.
Alexander Bührke ist ein schmaler Mann, trägt eine schlichte blaue Jeans zum rot-karierten Hemd und hat dieselben blauen Augen wie Léon. "Ich fühlte mich heute stark genug für diesen Termin", sagt er und erzählt mit überwältigender Offenheit, wie es Léon seit der Transplantation ergangen ist. "Es sind massive Eingriffe in den Körper, denen mein Sohn ausgesetzt ist", sagt er. "Die Schleimhäute lösen sich ab. Die Infektionsgefahr ist riesig. Die Haut blättert ab."
Seit Dienstag liegt der Sechsjährige auf der Intensivstation, Wasser hat sich in seinem Körper gesammelt, drückt auf die Organe. Die Ärzte haben ihn in einen künstlichen Schlaf gelegt und warten, dass die überschüssige Flüssigkeit über die Nieren ausgeschieden wird. Mit Erfolg. "Noch nie in meinem Leben habe ich mich so über Pipi gefreut", sagt Bührke. "Vielleicht kann Léon schon bald auf die normale Station."
Alexander Bührke hütet sich vor übertriebenem Optimismus, macht aus der Angst vor weiteren Komplikationen keinen Hehl. "Die Sache ist ernst", sagt er und fügt mit einem Lächeln hinzu: "Aber nicht hoffnungslos." Nach der Übergabe des Schecks lässt sich der 40-Jährige zum einzigen Mal im Laufe des Gesprächs zu Plänen für die Zukunft hinreißen. "Léon hat sich gewünscht, nach Garmisch Partenkirchen zu fahren, um mit der Bahn auf die Zugspitze zu fahren."
Die Spenden können der Familie dabei helfen, Träume wie diesen umzusetzen. "Auch wenn sie Léon leider nicht wieder gesund machen können", sagt Kirsten Warneke, stellvertretende Kindergarten-Leiterin. Alexander Bührke hat die Großzügigkeit und Anteilnahme der Menschen oft überwältigt. An diesem Tag wagt er den Versuch, seine Gefühle in Worte zu fassen. "Dass so viele fremde Menschen uns helfen, ist einfach fantastisch", sagt er, "obwohl ich eigentlich gar nicht ausdrücken kann, wie das ist." Dafür gäbe es einfach kein Wort. "Außer Danke."