Presse Léon
ln-online/lokales vom 02.09.2008
Gemeinsam mit Sohn Janek (6) steht Helge Oliver Voß geduldig in der Schlange vor dem Saal des Katastrophenschutzzentrums in Lauenburg. Wie 1267 andere ist er gekommen, um sich fünf Milliliter Blut abnehmen zu lassen, die dem kleinen Leon aus Hohnstorf oder einem der zahlreichen anderen an Blutkrebs erkrankten Menschen das Leben retten könnten. Die eigentliche Prozedur an dem Morgen dauert dann keine fünf Minuten. "Als wir in einem Flugblatt von der Typisierungsaktion gelesen haben, war es für uns keine Frage, hier zu helfen", sagt der 36-Jährige.
Acht Wochen ist es her, dass bei dem siebenjährigen Leon aus Hohnstorf bei einer Routine-Untersuchung erneut Blutkrebs festgestellt worden war. Bereits eineinhalb Jahre zuvor war er an Leukämie erkrankt. Durch Chemotherapien konnte damals noch die unkontrollierte Vermehrung der weißen Blutkörperchen im Knochenmark gestoppt werden. Doch nun brach die Krankheit erneut aus. Jetzt kann nur noch eine Stammzellenübertragung von einem möglichst genau passenden Spender sein Leben retten.
Und so lief in der Nachbarstadt Lauenburg, wo Leons Mutter Tanja (36) als Polizistin arbeitet, eine großangelegte Hilfsaktion an. Mit Flugblättern und Plakaten wurden die Bürger aufgefordert, sich durch die Abgabe von fünf Millilitern Blut in der Datenbank der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) typisieren zu lassen. Lauenburgs Bürgervorsteher Andreas Lojek übernahm die Schirmherrschaft für die Hilfsaktion. "Es ist beeindruckend zu sehen, wie viele Bürger hier bereit sind zu helfen", sagte Lojek. "Von einem Turnier in Lauenburg sind in einer Spielpause mehrere Handball-Mannschaften vorbeigekommen, um sich typisieren zu lassen. Auch eine Gruppe Motorradfahrer aus Heide hat während ihres Sonntagsausfluges vorbeigeschaut" – DKMS-Koordinatorin Simone Breuer ist begeistert.
Um die Typisierungsaktion zu finanzieren – die Untersuchung jeder Blutprobe kostet etwa 50 Euro –, sammelten die Lauenburger und Hohnstorfer in den vergangenen Wochen mehr als 50 000 Euro. Weitere 10 000 Euro wurden am Typisierungstag direkt gespendet. Für alle, die jetzt noch helfen wollen, gibt’s ein Spendenkonto (Sparkasse Lüneburg, Kontonummer 160 109 44, BLZ 240 501 10). Während die Hilfsaktionen laufen, verbringen Leons Eltern Tanja (36) und Alexander Bührke (40) jeden Tag am Krankenbett ihres Sohnes im Eppendorfer Universitätskrankenhaus in Hamburg.
In den kommenden Tagen werden die Blutproben im Labor der DKMS in Dresden untersucht und in einer Vortypisierung die ersten sechs von insgesamt zehn Merkmalen bestimmt. Da nur etwa für jeden dritten Leukämie-Patienten innerhalb der eigenen Familie ein geeigneter Spender gefunden werden kann, ist die DKMS-Datenbank als Teil eines weltweiten Netzwerkes von enormer Bedeutung. Stimmen die Merkmale überein, werden bei der späteren Stammzellenspende dem Spender entweder zuvor vermehrt produzierte Stammzellen aus dem Blut ähnlich wie bei einer Dialyse entnommen oder unter Vollnarkose aus dem Beckenknochen etwa ein Liter Knochenmark-Blut-Gemisch (das sind fünf Prozent des Gesamtvolumens) entnommen und dem Patienten übertragen. Das entnommene Knochenmark bildet sich innerhalb von 14 Tagen vollständig nach.
Wer die Typisierungsaktion verpasst hat, kann sich auch mit einem Speicheltest, den die DKMS verschickt, zu Hause typisieren. Weitere Infos dazu gibt’s beim DKMS unter 07071/9430 oder unter http://www.dkms.de.
Von Holger Marohn