Landeszeitung Lüneburg - Online 29.08.2008
off Scharnebeck. Zweifel hat es nie gegeben. Nicht nach der Anfrage der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Nicht nach der Gesundheitsanalyse. Und nicht nach der ersten Spritze mit dem Wachstumsfaktor G-CSF. "Ich hatte mich entschieden", sagt Rüdiger Luck, "auch für die Konsequenzen." Der 35-Jährige ließ sich für eine Stammzellen-Spende typisieren, als sein Arbeitskollege vor 15 Jahren an Leukämie erkrankte. Damals fanden die Ärzte keinen Spender, und sein Freund starb. Heute ist Rüdiger Luck selbst Spender.
"Es war im Frühjahr 2003." An das genaue Datum kann sich der Scharnebecker nicht erinnern. Erst nach einem Blick in einen dicken schwarzen Ordner findet er die beiden Tage: den 14. und 15 Mai 2003. Mehrere Stunden lang saß er an diesem Mittwoch und Donnerstag vor fünf Jahren in einem Praxisraum in Dresden, einen Schlauch im linken und einen im rechten Arm. "Da, wo das Blut zurücklief, wurde es manchmal kalt", erinnert er sich. "Und die Lippen, die haben hin und wieder wegen des Kalziummangels gekribbelt."
Luck hatte sich für das Verfahren der peripheren Stammzellentnahme entschieden. Fünf Tage lang musste er sich einen hormonähnlichen Stoff (G-CSF) zur Stimulation der Stammzellbildung spritzen. In dieser Zeit fühlte sich der gelernte Kfz-Mechaniker matt, die Knochen schmerzten, doch das Fieber blieb aus. "Die Symptome sind wie bei einer Grippe", erklärt Luck, "bei dem einen treten sie stärker auf, bei dem anderen schwächer."
Mit dem Flugzeug reiste der damals 30-Jährige an Tag sechs nach Dresden. Kosten für Reise, Hotel und Verdienstausfall übernahm die DKMS. "Man kümmerte sich super um mich", erzählt Luck. Mit einem speziellen Verfahren wurden die Stammzellen aus seinem Blut gefiltert. "An zwei Tagen, weil der Empfänger etwa das dreifache von mir war", sagt der Scharnebecker, ein schmaler Typ von maximal 80 Kilo.
Das alternative Spenderverfahren, die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenknochen, kam in Lucks Fall nicht in Frage. "Man hätte einfach zuviel gebraucht. Das war nicht zu realisieren." Die periphere Stammzellentnahme blieb die einzige Wahl - und Luck hat sie nie bereut. "Nachdem alles durch war, ging das Leben ganz normal weiter. Alles war so wie vorher. Keine körperlichen Folgen. Nichts."
Für wen er gespendet hat, weiß Rüdiger Luck bis heute nicht. Nur, dass er aus den Niederlanden kommt, dicker als er selbst ist. "Für mich ist er deshalb nur der dicke Holländer, der nach der Transplantation gesund das Krankenhaus verlassen hat." Mehr müsse er nicht wissen. "Ich habe getan, was ich konnte. Punkt."
Sein Leben verändert hat die Spende nicht, sagt Luck. Vielleicht sein Blick. Das Schicksal des leukämiekranken Léon aus Hohnstorf etwa. "Das berührt mich. Auch weil ich selbst Vater von zwei Söhnen bin." Rüdiger Luck möchte deshalb etwas tun. "Wenn ich in diesen Fall schon nicht als Spender helfen kann, dann versuche ich wenigstens anderen Mut zu machen," sagt er. Bei Typisierungsaktionen in der Region steht er immer wieder als Ansprechpartner bereit. Seine Erfahrungen sollen anderen die Angst nehmen. Auch am Sonntag bei der Typisierungsaktion für Léon.
Die Aktion findet statt am Sonntag, 31. August, von 10 bis 16 Uhr im Katastrophenschutzzentrum in Lauenburg, Reeperbahn 33.