Hamburger Abendblatt 29. August 2008
Von Alexander Sulanke
Barsbüttel - Er hat sich so sehr auf seine Einschulung gefreut. Er hat Radfahren gelernt. Er hat Schwimmunterricht genommen. Doch Léon wird in der kommenden Woche nicht eingeschult. Er wird in diesem Sommer weder Rad fahren noch schwimmen gehen. Der Sechsjährige aus Hohnstorf im Landkreis Lüneburg liegt seit Anfang Juli im Hamburger UKE und kämpft tapfer um sein Leben. Léon ist an Leukämie erkrankt, an Blutkrebs, bereits zum zweiten Mal.
So ein Schicksal berührt. In Stormarns Polizeiwachen hat sich die tragische Geschichte schnell herumgesprochen. Denn Léon ist Polizisten-Sohn. Seine Mutter Tanja B. (36) tut in Lauenburg Dienst. Bei einer Typisierungsaktion am kommenden Sonntag wollen sich viele Beamte Blut abnehmen lassen, um herauszufinden, ob sie als Stammzellspender infrage kommen.
"Nur eine Stammzelltransplantation kann Léon noch helfen", sagt Claudia Daniels (29), eine enge Freundin der Familie B. Nur dadurch lässt sich die Vermehrung bösartig veränderter weißer Blutkörperchen in Léons Knochenmark noch stoppen. Deshalb hat Daniels zusammen mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) zu der Typisierungsaktion aufgerufen.
Jana Harden (23) von der Polizeiwache in Barsbüttel hat sich bereits am vergangenen Dienstag fünf Milliliter Blut abnehmen lassen. "Ein kurzer Pieks, und das war's", sagt die Hauptmeisterin, "das sollte wirklich jeder machen." Jetzt gehört sie zum Kreis der mehr als 1,7 Millionen Deutschen, die in der DKMS-Kartei registriert sind, die also als Knochenmarkspender infrage kommen können - nicht nur für Léon, sondern für jeden an Leukämie Erkrankten, sofern eine Vielzahl seiner Gewebemerkmale nahezu hundertprozentig mit den eigenen übereinstimmt.
Das stört Jana Harden nicht. "Ich könnte ja auch mal selbst betroffen sein und auf Hilfe hoffen", sagt sie. Ihr Chef André Lutz (49) hat sich ebenfalls registrieren lassen. "Man sollte das tun", meint er und hofft auf Unterstützung auch außerhalb der Polizei, "vielleicht kann man damit jemandem helfen." Léon womöglich, der bald zur Schule möchte.
Am kommenden Sonntag können sich alle 18- bis 55-Jährigen in Lauenburg im Katastrophenschutzzentrum (Reeperbahn 33) von 10 bis 16 Uhr Blut abnehmen lassen.
erschienen am 29. August 2008