Landeszeitung Lüneburg - Online 16.08.2008
off Hohnstorf. Das Schicksal des sechsjährigen Léon Bührke erschüttert eine ganze Region. In nur wenigen Wochen ist sein Name zum Symbol geworden für den Kampf gegen eine heimtückische Krankheit, für Verzweiflung, aber auch Hoffnung und Zuversicht. Doch wer ist Léon? Was für ein Mensch verbirgt sich hinter dem Jungen mit dem hellblonden Haar und den strahlend blauen Augen? Ein persönliches Treffen mit der Presse lehnen die Eltern ab, wollen Léon schützen vor unnötiger Aufregung. Den Kontakt nach außen übernimmt für sie Claudia Daniels, eine enge Freundin der Familie, die Léon von Geburt an kennt - und alles tut, um ihrem kleinen leukämiekranken Freund zu helfen.
Auf die Straßenkarte muss sie schon lange nicht mehr gucken. Der Weg in die Universitätsklinik Hamburg Eppendorf (UKE) ist ihr noch immer vertraut, dabei hatte Claudia Daniels gehofft, ihn nie wieder fahren zu müssen. Seit Oktober 2007 hatte Léon die Leukämie besiegt, die monatlichen Blutkontrollen waren unverdächtig, die Ärzte zufrieden. Dann die Kontrolle im Juli. Ein Blutwert war nicht in Ordnung, weitere Untersuchungen wurden angeordnet. Die Ergebnisse folgten keine 24 Stunden später und ließen keinen Zweifel: Der Krebs war wieder da.
Seitdem fährt Claudia Daniels wieder so oft wie möglich ins UKE, wo Léon mit den Folgen der Chemotherapie kämpft. Der Sechsjährige hat fast alle seiner blonden Haare verloren. Erst wenn auch das letzte verschwunden ist, will er sich ein Wilde-Kerle-Kopftuch umbinden. "Léon ist unglaublich tapfer", sagt Daniels, "er lacht viel, ist so beeindruckend positiv." Mit Hingabe nutzt er die Angebote im Krankenhaus, die Mal-Therapie, die Stunden mit Musik-Therapeut Gerd. "Léon spielt Schlagzeug. Wie sein Papa", erzählt Daniels. Sogar eine erste eigene CD hat der Playmobil-Fan aufgenommen. "Und ist stolz wie Oskar."
Dass er sehr krank ist, weiß und versteht Léon. Kindgerecht haben ihm seine Eltern die Krankheit erklärt, haben erzählt von den Chemo-Rittern, die gegen die bösen Krebszellen kämpfen. Dass ihm nach dem Rückfall nur noch ein passender Stammzellenspender retten kann, weiß Léon nicht. "Das soll ihn nicht belasten", sagt Claudia Daniels, die für Léon nur seine "Claudi" ist.
In der Wohnung der Polizistin stehen Bilder von Léon, auf ihrem Laptop zeigt sie weitere Fotos. Léon, der mit Schwimmreifen, Taucherbrille und Schnorchel im Planschbecken liegt. Léon, der von einem kleinen Mädchen geküsst wird. Léon, der ohne Haare aber mit breitem Lachen in einem Krankenhausbett sitzt. Viele Wochen seines kleinen Lebens hat er im Krankenhaus verbracht, musste auf vieles verzichten, was Jungs in seinem Alter gerne machen.
Doch Léon beklagt sich nicht. Nur als er erfuhr, dass er wieder krank ist, brach der Sechsjährige in Tränen aus. "Er wusste ja jetzt, was auf ihn zukommt", sagt Daniels, "wusste, dass er in diesem Jahr nicht in die Schule kommen wird, dass er nicht mehr schwimmen und nicht mehr zum Fußball-Training gehen kann." Doch Léon ist ein Kämpfer. Er wehrt sich gegen die Krankheit, hat den Kampf gegen den Krebs noch einmal tapfer aufgenommen. Nur gewinnen kann er ihn dieses Mal nicht allein. Léon braucht dringend einen Spender. "Und um den zu finden, brauchen wir jeden Einzelnen."
Eine große Typisierungsaktion für Léon findet statt am Sonntag, 31. August, von 10 bis 16 Uhr, Katastrophenschutzzentrum an der Reeperbahn 33 in Lauenburg. DKMS-Spendenkonto: 160 109 44, Sparkasse Lüneburg (240 501 10).